Unterstützung für die einzige Unterkunft für Flüchtlingsfrauen und ihre Kinder in Athen

Im Zentrum Athens betreut die dänische Hilfsorganisation Team Humanity seit Februar 2017 ein Zentrum für geflüchtete Frauen. Die Wohnräume sind bisher für acht Frauen mit ihren Kindern ausgelegt; aber die bloße Unterbringung und Mindestversorgung ist jedoch nur ein Aspekt des Projekts:

Das House of Peace bietet den Frauen und Kindern Sicherheit und psychologische Unterstützung. Die Bewohnerinnen verbindet, dass sie jeweils alleine mit ihren Kindern in Griechenland als Flüchtlinge angekommen sind. Sie haben sich mittlerweile zu einer richtiggehend kleinen Gemeinschaft entwickelt; sie leben und arbeiten zusammen, lösen gemeinsam Probleme, und teilen das Ziel, nach all den Strapazen, die sie erelebt haben, sich nun ein gewaltfreies Zuhause aufzubauen. Das House of Peace als Zufluchtsstätte und Chance für die Zukunft ist jedoch gefährdet – die weitere Finanzierung ist unsicher. Aber ohne diese Räume stünden die Frauen und Kinder erneut vor einer extrem unsicheren Zukunft.

 

Warum sind Schutzräume für Frauen und Kinder so wichtig? Sind die bestehenden Flüchtlingslager nicht ausreichend?

Die Antwort ist leider eindeutig: Nein. Die regulären Unterkünfte und Lager bieten alles andere als eine sichere Unterbringung für allein geflüchtete Frauen. Ihre Gefährdungen und Konfliktlagen sind spezifisch: Manche haben sich bewusst von Ehemännern und Familien getrennt, andere haben keine Familie mehr. Sie sind schwanger oder haben kleine Kinder. Ohne weitere Unterstützung, ganz auf sich allein gestellt, haben sie die weite Flucht gewagt und überstanden, dabei ständig gefährdet durch Gewaltandrohungen und sexuelle Übergriffe. Und als wären die Gefahren der Flucht und die Ungewissheit über ihren Status noch nicht genug, werden sie seit ihrer Ankunft in Griechenland mit einer Flüchtlingspolitik konfrontiert, die nicht in der Lage ist, auf ihre besonderen Schutzbedürfnisse auch nur ansatzweise zu reagieren.

 

Fatima, 25 Jahre, ist mit ihren zwei Kindern aus Afghanistan geflohen. In einem UNHCR-Flüchtlingslager wurde sie Opfer sexueller Belästigung und ihr Zelt wurde angezündet, während sie und ihre Kinder darin schliefen.

 

Schon in der ersten Jahreshälfte 2017 sind 9000 Frauen und 12.000 Kinder über das Mittelmeer nach Griechenland geflohen. Doch kaum auf europäischen Boden angekommen, müssen sie feststellen, dass sie immer noch keine Sicherheit gefunden haben. So birgt alleine schon das häufige Fehlen getrennter Toiletten, Duschen oder Schlafbereiche in den Unterkünften für diese Frauen die Risiken von Gewalt, sexuellen Übergriffen und Ausbeutungsverhältnissen verschiedenster Art. Immer wieder berichten Frauen davon, sie hätten aus Angst, die Sanitärbereiche betreten zu müssen, möglichst wenig gegessen und getrunken. Die Gefahr von Belästigungen ist hnen ständig präsent. Manche Frauen haben sich daher sogar dafür entschieden, lieber am Strand zu schlafen, anstatt in diesen offiziellen Unterkünften.

Gemeinsam mit hunderten von Männern in Zwischenunterkünften eingepfercht, ohne getrennte Sanitärbereiche, sind diese Frauen ohne  Schutz und leben in ständiger Angst.

 Huwaida, 27 Jahre, aus Aleppo. Mit ihren 3 Kindern floh sie vor dem Krieg in Syrien. Ihre lebensgefährliche Reise brachte sie nach Lesbos, wo man sie im Thessaloniki-Camp bedroht und sexuell belästigt hat. Sie konnte und wollte dort nicht mehr bleiben.

Die Gewalt gegen allein geflüchtete Frauen geht im Übrigen nicht ausschließlich von Männern aus. Viele der bedrohten Frauen in den griechischen Camps gehörten schon in ihren Herkunftsländern religiösen oder ethnischen Minderheiten an, was sie auch in Flüchtlingsunterkünften zu Zielen von Aggression und Übergriffen macht.

Ihre trostlosen und auszehrenden Lebensumstände, die in den Camps und Unterkünften nur verlängert werden, bringen immer wieder Frauen dazu, zu versuchen sich auf den unwirtlichen Straßen Athens und anderer griechischer Großstädte durch zu schlagen. Es ist ein verhängnisvoller Kreislauf: Hier erwarten sie Sexarbeit und Bettelei, wobei sie zusätzlich noch rassistischer motivierter Gewalt ausgesetzt sind.

Wenn die Lage so schlimm ist, warum wurde noch nichts unternommen?

 Auch wenn die hier geschilderte Situation seit mindestens zwei Jahren bekannt und völlig unhaltbar ist, sind bislang keine ernsthaften Ansätze zu sehen, irgendetwas grundlegend zu ändern. Bereits im Januar 2016 hat „Amnesty International“ in einem detaillierten Report auf den Missbrauch, den Mangel an adäquaten Einrichtungen und die Verzweiflung allein geflüchteter Frauen und ihrer Kinder hingewiesen. Die Verantwortung für diese nicht hinnehmbaren Zustände wird hier direkt der europäischen Politik zugeschrieben. Sowohl die dafür offiziell zuständige ‚Agentur der Europäischen Union für Grundrechte“ (FRA), als auch die „European Women’s Lobby“ (EWL) haben bisher vergeblich versucht, gestützt auf den Amnesty-Bericht, die EU dazu zu bewegen, zu reagieren. Im Gegenteil: Die Situation hat sich im Gegenteil seitdem weiter verschlechtert, unter anderem durch die Streichung von Zuschüssen.

Die Unterbringung in Flüchtlingscamps ist keine Lösung! Allein geflüchtete Frauen benötigen eigene Schutzräume, zumal, wenn sie auch noch verfolgten Minderheiten angehören.

Leyla , 31 Jahre, irakische Jezidin aus dem Sinjar. Sie ist mit 3 Kindern geflohen. Im Camp wurde die Irakerin aufgrund ihres Glaubens massiv diskriminiert. Da ihr dort kein Schutz geboten werden konnte, war sie gezwungen, die Unterkunft zu verlassen.

Angesichts der beschriebenen Probleme, mit denen das Team Humanitiy bis heute Tag für Tag konfrontiert ist, wurde im Februar 2017 das House of Peace angemietet. Hier haben alle Frauen ihr eigenes Zimmer, das sie sich gegebenenfalls mit ihren Kindern teilen. Hier können sie ein halbwegs normales Leben führen, sie kochen gemeinsam und bewältigen gemeinsam ihren Alltag, während sie darauf warten, dass Ihr Asylantrag bearbeitet wird.

Die Zukunft des Zentrums “House of Peace” ist akut bedroht und damit die sichere Unterbringung der dort untergebrachten Frauen und Kindern.

Die Finanzierung ist momentan nur bis Anfang Juli gesichert, danach droht den betroffenen Frauen und Kinder die völlige Ungewissheit. Dabei sind die Unterhaltungskosten des Zentrums keineswegs hoch; die Räumlichkeiten kosten monatlich 2.500 €, für das laufende Jahr werden noch konkret 15.000 € benötigt.

 

 

Das „House of Peace“ ist ein einmaliges Pilotprojekt, das auch zeigt, wie günstig und effektiv man unmittelbar auf dieses brennende Problem reagieren kann. Kurzfristig kann es nur mit Hilfe von Einzelspendern geöffnet bleiben. Mittel- und langfristig ist jedoch das Ziel, eine verlässliche Finanzierung über institutionelle Geldgeber aufzubauen, um nicht weiter auf Notfallhilfe angewiesen zu sein. Wir hoffen außerdem, dass das „House of Peace“ am Anfang einer breiteren Kampagne für mehr Schutzräume stehen wird. Tatsächlich werden diese Probleme nicht morgen gelöst werden, auch nicht nächstes Jahr, nur eine langfristige Vision kann dies leisten.

Helfen Sie uns, die Türen des „House of Peace“ offen zu halten.

Die griechische Non-Profit-Organisation Stand By Me Lesvos vermittelt Geflüchteten auf Lesbos Arbeit und Projekte, um gezielt gegen ihre Existenznot vorzugehen.

WADI engagiert sich seit Jahrzehnten in der Arbeit mit Flüchtlingen, insbesondere Frauen, hauptsächlich im Nordirak. 25 Jahre Erfahrung beim Aufbau und dem Betreiben von Frauenhäusern und Bildungszentren bieten die Expertise, um Frauen die notwendigen Instrumente an die Hand zu geben, sich selbst zu organisieren und an langfristigem wirtschaftlichem und Bildungs-Empowerment zu arbeiten.

Bitte spenden Sie hier:

Wadi
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Bitte nicht vergessen: “House of Pecae” als Verwendungszweck angeben!

 

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